Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise schlagen mittlerweile voll auf den Ausbildungsmarkt in Deutschland durch, dessen Dynamik ohnehin schon nachgelassen hatte.

Im Bereich der dualen Ausbildung nach BBiG und HwO verringerten sich das Angebot an Ausbildungsstellen, die Nachfrage nach Ausbildungsstellen und die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Ausbildungsjahr 2018/2019 gegenüber dem Vorjahr (BMBF 2020). Auch ohne die Corona-Krise hätte sich diese Entwicklung im neuen Ausbildungsjahr voraussichtlich fortgesetzt. Vom Oktober 2019 bis März 2020 gab es bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern bereits 6% weniger gemeldete Berufsausbildungsstellen und Bewerber/-innen als im Vorjahreszeitraum (BA 2020). In ihrer ersten Vorausschau für den Ausbildungsmarkt 2020, welche die aktuelle Rezession noch nicht berücksichtigte, ging das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) von einem weiteren Rückgang auf der Angebots- und Nachfrageseite des Ausbildungsmarkts und der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge aus (BMBF 2020).

Die wirtschaftliche Talfahrt beschleunigt die Negativentwicklung. Das BiBB hat ihre Ausbildungsmarktprognose unter veränderten Wachstumsannahmen korrigiert (Maier 2020). Es wird nun erwartet, dass weniger als 500.000 Ausbildungsverträge im Jahr 2020 neu abgeschlossen werden und damit mindestens 25.000 weniger als im Vorjahr. Bei einem Rückgang des Wirtschaftswachstums um 7% und gleichzeitigem Rückgang der Ausbildungsnachfrage könnte die Anzahl an neuen Abschlüssen auch auf bis zu 460.000 Verträge sinken. Bricht die Wirtschaft im zweistelligen Prozentbereich ein, schätzt das BiBB, dass die Zahl der Neuabschlüsse unter 460.000 Verträgen liegen wird. Auch Umfragen bei Betrieben zeigen eine Zurückhaltung beim Ausbildungsplatzangebot. Beispielsweise plant einer Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks zufolge, ein Viertel der rund 2700 befragten Handwerksbetriebe im neuen Ausbildungsjahr weniger Lehrstellen zu besetzen (ZDH 2020).

Hart trifft der Einbruch am Ausbildungsmarkt dem BiBB zufolge voraussichtlich Jugendliche ohne oder mit Hauptschulabschluss, weil sich die Corona-Krise besonders negativ auf diejenigen Berufe auswirkt, die von ihnen typischerweise gewählt werden (Maier 2020).  


Quellen:

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): Berufsbildungsbericht 2020

Maier, Tobias: Auswirkungen der „Corona-Krise“ auf die duale Berufsausbildung: Risiken, Konsequenzen und Handlungsnotwendigkeiten. Bundesinsitut für Berufsbildung. Mai 2020.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA): Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Mai 2020

Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH): ZDH-Betriebsbefragung zur Corona-Pandemie. April 2020

Bild: ©vchalup/adobe stock